pro & contra Grundeinkommen

Leider gleitet die Diskussion zum Grundeinkommen immer ganz schnell in eine Fach- und Detaildebatte ab. Auch auf den bekanntesten Websites und Blogs zum Grundeinkommen findet sich keine allgemeinverständliche Gesamtdarstellung. Für alle, die sich erst einmal einen Überblick zum Wie und Warum des Grundeinkommens verschaffen möchten, empfehlen wir den Beitrag auf KRAUTREPORTER „Das Bedingungslose Grundeinkommen verständlich erklärt“ von Rico Grimm.


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Eine sehr gute Diskussion hören wir im rbb-Beitrag „Happy und frei oder faul und träge? Pro und contra Grundeinkommen“ vom 18.02.2018

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger gilt uns als zukunftsfähiges Modell. Wir würdigen aber auch die Rechte derjenigen, die nicht bereit sind, unseren Vorstellungen von einem „besseren Leben“ zu folgen. Ebenso respektvoll haben wir die Argumente derjenigen zu behandeln, die unabsehbare Folgen für Wirtschaft und Wohlstand befürchten.Es ist also wichtig, alles Für und Wider gegeneinander abzuwägen, die Einwände der Skeptiker zu verstehen, um ihnen im fairen Dialog begegnen zu können. Das gegenseitige Verstehen ist Grundlage einer Gemeinschaft, in der die Koexistenz verschiedener Lebensentwürfe möglich wird. Leider ist dieser als selbstverständlich erscheinende Ansatz in der Praxis selten zu finden. Auf den Websites der bekanntesten Grundeinkommens-Initiativen setzt man sich mit den Argumenten der Skeptiker kaum auseinander.

Auf der Seite Beiträge & Kommentare stellen wir uns dieser Aufgabe. Nachfolgend sollen nur einige interessante Zitate von Gegnern und Befürwortern aufgelistet werden.
Soweit online verfügbar, wurden die Namen mit der zugehörigen Quelle verlinkt.

Das Wort Arbeit lässt eine weite Bedeutung zu. Wenn wir das Wohl unserer Mitmenschen zu fördern suchen, wenn wir den Anforderungen des Lebens zu genügen bemüht sind, so arbeiten wir.
Jean-Jaques Rousseau

Mit der vermeintlich „neu gewonnene Freiheit“ bleibt der einzelne letztlich sich selbst überlassen und damit zurückgeworfen auf die rein individuellen Potenziale. Wird also […] neue Kreativität und Entfaltung des Einzelnen geschaffen? Für mich gibt es keinen Grund an eine solche massenhafte Selbstaktivierung zu glauben.
Yasmin Fahimi

Wenn die Arbeit für das Gemeinwesen den ihr zustehenden Rang erhält, kann Friedrich Engels „Traktat vom Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ fortgeschrieben werden und der Anteil der neuen Arbeit an der Menschwerdung des Menschen beschrieben werden.
Heribert Prantl 1

An der Erwerbsarbeit hängen Identität, Selbstachtung, Zugehörigkeitsgefühl.
Olaf Scholz 
2

Das Gerede von der Erwerbsarbeit als einzigem Sinnstifter unserer Existenz ist ein Herrschaftsinstrument. Alles ist bei uns auf Erwerbsarbeit ausgerichtet: der Rhythmus der Tageszeiten, die Ausbildung, der Übergang von der Pubertät ins Erwachsensein. Der Einzelne definiert sich vor allem über die Erwerbsarbeit; deshalb zwingt er sich zur Anpassung. Fällt dieser Selbstzwang weg, kann man die Freiheit nicht mehr kontrollieren – so fürchten viele. Wenn die Arbeit ausgeht, verlieren viele der Herren der Arbeitsgesellschaft das Fundament ihrer Macht.
Ulrich Beck

Milliardären denselben Geldbetrag wie Müllwerkern und Multijobberinnen zu zahlen, verfehlt das Ziel einer „austeilenden Gerechtigkeit“ (Aristoteles), weil die sozialen Gegensätze nicht beseitigt, sondern zementiert würden.
Christoph Butterwegge

Wie viel Steuern der Besserverdienende mehr zahlen soll als der Geringverdienende, damit unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen entsprochen wird, ist eine Frage, die politisch beantwortet werden muss. Mit dem Grundeinkommen an sich hat das nichts zu tun.
Thomas Straubhaar 3

Nein, liebe Freunde, es ist nicht fair, es ist nicht solidarisch, wenn die einen für die anderen arbeiten und die Linken das sogar fordern und befördern. Ihr habt ein falsches Menschenbild, wenn ihr glaubt, dass es nur drei oder fünf von 100 sein werden, die euer Angebot zum Nichtstun annehmen. … Es ist eine Illusion, von den Menschen zu erwarten, dass sie immer edel und gut sind.
Erika Maier

Dieser Gedanke wird all jenen undurchführbar oder gefährlich erscheinen, die überzeugt sind, dass »die Menschen von Natur aus faul« seien. Dieses Klischee hat jedoch keine faktischen Grundlagen; es ist einfach ein Schlagwort, das zur Rationalisierung der Weigerung dient, auf das Bewusstsein der Macht über die Schwachen und Hilflosen zu verzichten.
Erich Fromm 4

Wer weniger Erwerbsarbeit leistet, muss auch seine Ansprüche an den mit dieser Arbeit produzierten Güterberg in exakt gleicher Höhe reduzieren. Ist er dazu nicht bereit, sondern will er für den Verzicht auf bezahlte Arbeitsstunden zugunsten der Unterbeschäftigten zumindest teilweise entschädigt werden, braucht man ein zusätzliche Quelle, aus der diese Entschädigung bezahlt werden kann.
Friederike Spiecker

Bei der Frage der Finanzierbarkeit geht es nicht um die Rechenleistung, sondern darum, ob eine andere Verteilung in der Gesellschaft mehrheitsfähig ist.
Baukje Dobberstein

Auch ich selbst würde, wenn ich monatlich 1000 Euro auf dem Konto hätte, bestimmt meinen Zuarbeiter-Job – Barklavierspielen – aufgeben. Wer demnächst heiratet, müsste sich dann einen anderen Pianisten suchen … Ich hingegen hätte wohl Schwierigkeiten, für meine eigenen Projekte Musiker und sonstige Mitstreiter zu finden.
Martin Grütter

Im Zuge der Industrie 4.0 werden so viele Jobs wegfallen und verhältnismäßig wenige neue Jobs für absolut hochqualifizierte Fachkräfte entstehen, dass wir überhaupt gar keine andere Möglichkeit haben, als das BGE einzuführen. Es ist durchaus vorstellbar, dass genau aus diesem Grunde Menschen wie Siemens Chef Joe Kaeser, Telekom-Boss Timotheus Höttges, Ebay-Gründer Pierre Omidyar, SAP-Vorstand Bernd Leukert, Tesla Gründer Elon Musk … für ein BGE sind. Entweder setzt sich Erkenntnis eines BEG bei den Eliten in Wirtschaft und Politik durch oder „sonst knallt’s.“
Marc Friedrich, Matthias Weik

Das Grundeinkommen wird kommen – egal wer Deutschland regiert. Spätestens dann, wenn wir zwei bis drei Millionen mehr Arbeitslose haben. Dann wird auf einmal alles möglich sein, was heute noch gänzlich ausgeschlossen zu sein scheint.
Richard David Precht


1. Heribert Prantl „Wir sind viele“ München: Süddeutsche Zeitung Edition 2011

2. Olaf Scholz Stern Nr. 31/2008 vom 24. Juli 2008, S. 68

3. Thomas Straubhaar „Radikal gerecht“ Edition Körber 2017

4. Erich Fromm „Haben oder Sein“ Stuttgart: DVA 1976

 

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One comment on “pro & contra Grundeinkommen
  1. Detlef Jahn sagt:

    Die Menschen müssen verstehen lernen, dass die Vorteile für alle und für sie persönlich überwiegen. Wir gönnen ›den Anderen‹ ja nicht deshalb nichts, weil wir ›schlechte Menschen‹ sind, sondern weil wir Angst haben, dass nicht genug für uns selbst bleibt.
    Unsere Aufgabe als Befürworter ist es, verständlich zu machen, dass niemand echte Einbußen durch ein BGE erfährt, aber alle davon profitieren, auch die Nettozahler. Solange wir herumschreien, dass wir ›denen da oben‹ was wegnehmen wollen, also bei dem System des gegeneinander Arbeitens bleiben, werden wir nichts erreichen. Die Doktrin der Umverteilung ist falsch, weil sie daran festhält, Gegensätze zu betonen. Wir müssen lernen, Gemeinsamkeiten hervorzuheben.

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