Willst du der Idee vom Grundeinkommen schaden? Dann teste es!

Und wieder wird eine Grundeinkommens-Sau durchs Dorf getrieben. Diesmal durch das Dorf Rheinau in der Schweiz. Die Presse greift dankbar zu, um das Sommerloch zu füllen. Mit schmucken Titeln: „Rheinau bedingungslos glücklich?“, „Ein Dorf testet das Grundeinkommen“, „Rheinau probt bedingungsloses Grundeinkommen“, „Niemand zeugt ein Baby, nur um mehr Geld zu verdienen“. Es scheint in Mode zu kommen, bei gemeinnützigen Stiftungen Geld einzuwerben, um sich (und natürlich die Stiftung) mit einem werbewirksamen Grundeinkommenstest ins Gespräch zu bringen. Der Sache des Grundeinkommens dient es in keiner Weise.

Ein Kommentator bringt auf den Punkt, was all diese Tests nicht erfüllen können:

„Wer weiß, dass er über 12 Monate hinweg Geld erhält und nachher nicht mehr, wird deswegen kaum seinen Job aufgeben oder sein Leben anderweitig auf den Kopf stellen. Das postulierte Grundversprechen des Grundeinkommens – den Menschen zu einem freieren, selbstbestimmten Leben zu verhelfen – kann somit gar nicht eingelöst werden.“

Zugunsten solcher Tests wird immer ins Feld geführt, dass sie das Grundeinkommen in die öffentliche Debatte rücken. Ja, wir wollen schon, dass unser Thema im Gespräch bleibt, dass sich die Menschen mehr und mehr dafür interessieren. Wenn aber jeder, der ein bisschen Geld locker machen kann, seine Experimentchen damit treibt, muss es am Ende nicht verwundern, wenn die Leute das Ganze als Spielerei ansehen, zu gefährlich, um es auf die gesamtgesellschaftliche Agenda zu setzen. Sie werden das denken, was der bereits zitierte Kommentator sagt:

„Die schlimmstmögliche Wendung dieser Geschichte, ein steuerfinanziertes Grundeinkommen auf Kosten aller, bleibt der Schweiz aber hoffentlich erspart.“

Das BGE kann man nicht testen, es sei denn, die Gesellschaft nimmt dafür richtig Geld in die Hand. (Denkfabrik Grundeinkommen hat einmal kalkuliert, was ein aussagefähiger Test kosten würde.) Natürlich können wir nicht verhindern, dass solche nichtssagenden Tests durchgeführt werden, auch nicht, dass die Presse die Ergebnisse nach ihrem Gusto ausschlachtet. Wir sollten uns aber in der Öffentlichkeit klar distanzieren und deutlich machen, dass solche Tests keinerlei Aussage über Sinn und Machbarkeit des Bedingungslosen Grundeinkommens liefern können.

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